Ilvy

die kleine Wölfin


Ferien, Hitze, Karriere und zwei Jahre Weltverbesserung

Hallo zusammen!

Ich weiss, ich weiss… ihr habt euch bestimmt gefragt, ob ich ausgewandert bin.

Nein.

Ich hatte einfach Wichtigeres zu tun.

Zuerst musste ich Ostern ordentlich vorbereiten …

… und gebührend feiern.

Dann wurde es ernst. Ferien. Drei Wochen lang. Heisst, ich musste mich drei Wochen lang um meine Menschen kümmern. Das ist anstrengender, als ihr denkt.

Schon nur die Vorbereitung auf meine Ferien! Glaubt mir: So etwas organisiert sich nicht von allein.

Während meine Menschen noch völlig planlos herumgewuselt sind, habe ich alles organisiert. Ich habe sofort gemerkt, dass meine Menschen ohne meine Führung hoffnungslos überfordert gewesen wären.

Der Einkauf zum Beispiel. Ich musste höchstpersönlich kontrollieren, dass genügend Fleisch eingepackt wird. Menschen haben nämlich die seltsame Angewohnheit, auch Dinge wie Salat, Gemüse und Joghurt zu kaufen. Keine Ahnung, weshalb Supermärkte dafür überhaupt Regalfläche verschwenden. Ich habe deshalb vorsorglich den Speiseplan erstellt. Man kann nie vorsichtig genug sein. Meine Menschen haben natürlich wieder probiert, Früchte und Gemüse dazwischenzuschmuggeln.

Danach musste gepackt werden. Meine Menschen stopften irgendwelche Kleider in ihre Taschen. Ich hingegen habe Prioritäten. Ich habe mich um die wirklich wichtigen Dinge gekümmert. Meine Plüschtiere. Schliesslich verreist man nicht einfach ohne sein Team.

Dann ging es endlich los. Meine Menschen behaupten zwar bis heute, sie seien gefahren. Niedlich. Ich lasse ihnen diese Illusion. Man muss ihnen ja auch mal ein Erfolgserlebnis gönnen. Ich diskutiere nicht mit Leuten, die Navi-Ansagen brauchen.

Drei Wochen Schweiz, Frankreich, Deutschland. Oder wie ich dazu sage:

Eine gross angelegte Inspektionsreise durch mein erweitertes Hoheitsgebiet.

Überall warteten Menschen und Hunde darauf, mich zu bewundern. Insgesamt war das Publikum sehr sympathisch.

Meine Menschen wollten unterwegs Kultur erleben. Also gut. Ich bin schliesslich offen für Neues. Auf einem Skulpturenweg habe ich das beschnuppert, was Menschen «Kunst» nennen. Mein Fazit: Riecht erstaunlich wenig. Ich nenne das «geruchsarme Objekte». Ich hätte ein paar der Skulpturen übrigens noch etwas persönlicher gestaltet. Durfte ich aber nicht. Menschen haben manchmal merkwürdige Regeln.

Im Prähistorischen Park traf ich sogar einige Dinosaurier und anderes Getier. Grosse Tiere. Beeindruckende Zähne. Keine Reaktion. Ich vermute, sie hatten Angst vor mir.

Zwischendurch habe ich meiner Lieblingsbeschäftigung gefrönt und mich um die wirklich spannenden Dinge gekümmert: Mäuse. Suchen, aufspüren, anschleichen, warten, beobachten – mausen eben. Eine Hündin muss schliesslich ihren Hobbys nachgehen. Und wenn ich gerade keine Mäuse beschäftigt habe, habe ich gedöst.

Viel gedöst.

Sehr viel gedöst.

Ferien bedeuten schliesslich, dass man seine Menschen arbeiten lässt.

Und das war mein Praktikant bei der Gartenarbeit. Er war etwas schweigsam, aber fleissig. Ich habe stundenlang versucht herauszufinden, wo vorne und hinten ist. Er bewegte sich ohne Leine durchs Gelände. Offenbar gelten für gewisse Mitarbeitende Sonderregeln. Ich habe ihn mehrmals am Tag erfolgreich aus dem Garten eskortiert. Jemand musste ihn ja beaufsichtigen, bevor er versuchte, den Gartenzwerg zu überfahren. Menschen nennen ihn Rasenroboter. Ich nenne ihn Horst.

Leider hatte das Wetter beschlossen, komplett den Verstand zu verlieren.

Wer bitte bestellt 40 Grad?

Ich trage schliesslich einen wunderschönen, flauschigen Pelzmantel. Massgeschneidert. Naturbelassen. Bio. Ganzjährig. Ja, ich war vor den Ferien sogar bei meiner Hundefriseurin. Aber auch nach dem Frisieren blieb ich ungefähr so gut isoliert wie ein Berghaus im Winter. Die Friseurin konnte mir den Winter nicht komplett ausziehen.

Tagsüber 39 bis 40 Grad. Nachts tropisch. Ich habe gehechelt wie ein kaputter Blasebalg. Meine Menschen übrigens auch. Sie behaupten immer, wir Hunde könnten keine Sauna vertragen. Dabei sahen sie selbst aus wie zwei überreife Tomaten.

Ich litt dramatisch unter der Hitze. Zum Glück gab es Brunnen, Bäche, Flüsse und Seen. Ich kann euch sagen: Kaltes Wasser ist manchmal die grösste Erfindung der Menschheit. Ich habe jede Gelegenheit genutzt, meine Pfoten und Beine abzukühlen. Weiter hinein? Ganz bestimmt nicht. Man muss ja nicht gleich übertreiben. Meine Menschen waren der Meinung, ich könnte doch einfach schwimmen oder mich komplett ins Wasser legen. Oder mich von ihnen duschen lassen. Wirklich absurde Ideen. Ich bin schliesslich kein Fisch. Mein Bauch bleibt trocken. Und der Rest meines Fells sowieso. Ein bisschen Würde muss man sich schliesslich bewahren.

Kaum hatte ich mich an dieses angenehme Leben gewöhnt, hiess es plötzlich: “Ilvy, wir müssen wieder arbeiten.” Aha. Wir. Interessant. Ich wusste gar nicht, dass ich jemals aufgehört hatte zu arbeiten. Ich habe schliesslich rund um die Uhr meine Menschen beaufsichtigt.

Nun gut, jemand muss den Laden ja schliesslich am Laufen halten. Und siehe da! Während meiner Ferien haben sie im Büro offenbar endlich erkannt, wie unersetzlich ich bin, welchen Stellenwert ich eigentlich habe. Ich habe jetzt ein grösseres, helleres und schöneres Büro. Endlich wird meine Leistung angemessen gewürdigt.

Mein Mensch behauptet zwar steif und fest, das neue Büro sei eigentlich für ihn. Das ist natürlich herzig. Wir wissen alle, wer hier die eigentliche Führungskraft ist. Die Wahrheit ist offensichtlich: Leistung setzt sich eben durch. Ich bin überzeugt, dass ohne mich während drei Wochen sowieso nichts richtig funktioniert hat. Ohne mich ist dort ohnehin alles etwas … sagen wir … orientierungslos. Wer kontrolliert morgens, ob alle pünktlich erscheinen? Wer begrüsst jeden Besucher? Wer kontrolliert, ob jemand etwas Essbares dabeihat? Wer sorgt dafür, dass niemand zu lange konzentriert arbeitet? Wer erinnert alle zuverlässig an ihre Bewegungspausen? Wer überwacht die Pausen? Wer macht auf verdächtige Geräusche vor dem Fenster aufmerksam? Wer sorgt für regelmässiges Kuscheln? Wer überprüft mehrmals täglich, ob der Bürostuhl noch bequem genug ist?

Eben.

Ohne mich herrscht doch das reinste Chaos. Und ich würde sogar behaupten, dass die Schweizer Wirtschaft ohne Bürohunde mindestens 17 Prozent weniger effizient wäre. Mindestens.

Und dann gibt es noch etwas zu feiern. Ich bin jetzt seit genau zwei Jahren bei meinen Menschen. Zwei Jahre. Für sie vermutlich die beste Entscheidung ihres Lebens. Zwei Jahre, in denen ich ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt habe. Seit ich eingezogen bin, hat sich praktisch alles verbessert. Sie bewegen sich deutlich mehr. Auch wenn sie manchmal gar nicht möchten. Sie stehen früh auf. Ob sie möchten oder nicht. Sie verbringen viel Zeit draussen. Bei Regen. Bei Schnee. Bei Sturm. Bei Hitze. Immer dann, wenn ich finde, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt für einen Spaziergang ist. Ich bin da sehr konsequent.

Sie haben gelernt, dass Hundehaare keine Verschmutzung ist, sondern ein Einrichtungsstil. Sie wissen inzwischen, dass ein Sofa niemals einem Menschen gehört (natürlich dürfen sie noch mitsitzen). Und dass Essen keine Privatsache ist, sondern dass man seine Mahlzeiten grundsätzlich unter Beobachtung einnimmt. Aus Sicherheitsgründen.

Früher waren Spaziergänge einfach Spaziergänge. Heute dauern sie dreimal so lange, weil ich jeden Grashalm, jeden Maulwurfshügel und jede Maus persönlich inspizieren muss.

Früher war das Auto sauber.

Dazu möchte ich mich nicht äussern.

Früher hatten sie wahrscheinlich weniger Hundehaare. Aber ehrlich gesagt weiss heute ohnehin niemand mehr, welche Kleidung ursprünglich welche Farbe hatte.

Und wisst ihr was? Sie lachen heute viel mehr. Meistens über mich. Manchmal auch über sich selbst. Sie unternehmen verrückte Sachen. Sie entdecken ständig neue Orte. Sie lernen dauernd neue Menschen kennen. Eigentlich nur, weil alle zuerst mich kennenlernen wollen.

Sie freuen sich über jeden gemeinsamen Tag.

Kurz gesagt: Seit ich eingezogen bin, ist ihr Leben eindeutig besser geworden. Ich bin eben nicht einfach eine Hündin. Ich bin Unterhaltung, Fitnesstrainerin, Sicherheitsdienst, Reiseleiterin, Bürochefin, Kuschelexpertin, Mäusebeauftragte, Seelentrösterin und professionelle Glücklichmacherin in einer einzigen, flauschigen Verpackung.

Oder, wie meine Menschen manchmal sagen: “Unser Sonnenschein.”

Das stimmt natürlich. Wobei … Sonne dürfte es jetzt für eine Weile auch wieder etwas weniger sein.

Vor allem aber haben meine Menschen verstanden, worum sich die Welt eigentlich dreht. Nicht um Termine. Nicht um Arbeit. Nicht um Haushalt. Nicht einmal um Ferien. Nein.

Die Welt dreht sich um mich. Und ehrlich gesagt finde ich, sie macht das ziemlich gut.

Eure völlig bescheidene Ilvy

Einige Bilder (und ja, man hätte es nicht bemerkt) wurden mithilfe von ChatGPT erstellt.


Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Ilvy

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen