Ilvy

die kleine Wölfin


🐾 Der Freitag, an dem ich offiziell meiner Unterwolle beraubt wurde

Freitag, 7. August 2026

Ich möchte diesen Tag eigentlich vergessen. Die Menschen nennen ihn „Hundecoiffeur-Termin“.
Ich nenne ihn: DIE GROSSE FELL-ENTEIGNUNG.
Und bevor hier irgendwelche Gerüchte entstehen:
Ich bin NICHT freiwillig hingegangen.
Nicht ein bisschen.
Nicht widerwillig.
Nicht „mit einem kleinen Motivationsproblem“.
Ich habe mich gewehrt wie eine Hündin, die gerade erfahren hat, dass ihr gesamtes Fellinventar beschlagnahmt werden soll.
Aber gegen zwei Hundecoiffeusen gleichzeitig hat man als Hund mit sehr viel Fell praktisch keine Chance.

Ich betone das deshalb so deutlich, weil gewisse Menschen behaupten, ich hätte mich dort „wieder einmal richtig schön machen lassen“.
Pffff. 🙄


🚗 Kapitel 1: Die Ankunft des Grauens

Wir fuhren zu Tanja’s 4 Pfotensalon & Shop in Rohrbach. Schon als ich das Gebäude sah, wusste ich:
Das ist es.
Der Ort.
Der Ort, an dem Hunde plötzlich ihr Fell verlieren.
Ich blieb stehen.
Die Menschen sagten: „Komm, Ilvy.“
Ich sagte: NEIN.
Sie sagten: „Wir gehen nur kurz rein.“
Ich sagte: NEIN.
Sie sagten: „Tanja und Sarah sind doch da.“
Ich sagte: DAS MACHT ES NICHT BESSER.

Dann begann das Tauziehen.
Menschen zogen.
Ich zog zurück.
Menschen zogen stärker.
Ich wurde plötzlich zu einem 280-Kilo-Anker auf vier Pfoten.
Ich hatte keine 280 Kilo.
Aber mein Widerstand hatte 280 Kilo.
Schliesslich wurde ich mehr oder weniger hineingezerrt.
Würde.
Stolz.
Selbstachtung.
Alles blieb draussen vor der Tür.


🛁 Kapitel 2: Die Badewanne

Drinnen warteten bereits Tanja und Sarah.
Zwei sehr liebe Frauen.
Zwei sehr erfahrene Frauen.
Zwei sehr kompetente Frauen.
Und zwei Frauen, die offenbar beschlossen hatten:
„Heute kriegen wir sie.“

Dann kam die Badewanne.
Ich sah sie.
Die Badewanne sah mich.
Wir verstanden uns sofort.
Wir wollten beide nichts miteinander zu tun haben.
Tanja und Sarah mussten mich tatsächlich hochheben und in die Badewanne tragen.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich festhalten:
Ich bin eine elegante Hündin.
Eine majestätische Hündin.
Eine Hündin mit Würde.
Und dann wurde ich von zwei Frauen wie ein riesiger flauschiger Sack Kartoffeln in eine Badewanne gehoben.
Meine Karriere als majestätische Wölfin war damit vorerst beendet.


🧴 Kapitel 3: Wasser. Shampoo. Verrat.

Dann wurde ich gebadet.
Shampoo.
Wasser.
Noch mehr Shampoo.
Noch mehr Wasser.
Ich habe mich gefragt:
Wie viele Flaschen braucht man eigentlich, bis ein Hund offiziell als Suppe gilt?

Tanja und Sarah hatten offenbar einen Plan.
Sie arbeiteten professionell, effizient und gründlich.
Ich dagegen arbeitete professionell daran, nicht mitzuarbeiten.

Nach dem Baden wurde ich mit einem riesigen, flauschigen Badetuch abgetrocknet.
Und ich muss leider zugeben:
Das war ziemlich angenehm.
Aber das bleibt unter uns.


💨 Kapitel 4: Der doppelte Föhnangriff

Nach dem Baden dachte ich kurz:
„So. Das Schlimmste ist vorbei.“
😂😂😂
Wie naiv kann eine Hündin sein?
Denn plötzlich standen Tanja und Sarah jeweils mit einem Föhn neben mir.
Ich schaute nach links.
Föhn.
Ich schaute nach rechts.
Föhn.
Ich schaute wieder nach links.
Immer noch Föhn.
Dann gingen beide gleichzeitig los.
💨💨 WUUUUUUUUUSCH!!!
Ich war plötzlich nicht mehr in einem Hundesalon.
Ich befand mich mitten in einem professionellen Windkanal für Hochgeschwindigkeits-Hunde.
Tanja föhnte von rechts.
Sarah föhnte von links.
Mein Fell flog nach vorne.
Dann nach hinten.
Dann nach links.
Dann nach rechts.
Dann wusste mein Fell offenbar selbst nicht mehr, wo es eigentlich hingehört.
Meine Ohren standen senkrecht.
Meine Backen flatterten.
Meine Unterwolle hob teilweise schon zur Flucht ab.
Und ich dachte nur:
„IST DAS JETZT EIN HUNDECOIFFEUR ODER EIN ORKANWARNZENTRUM?!“

Ich hätte mich gerne beschwert.
Aber bei zwei gleichzeitig laufenden Föhnen war eine vernünftige
Kommunikation leider nicht mehr möglich.
Ich konnte nur noch mit den Augen sprechen.
Und meine Augen sagten eindeutig:
„Mädels. Ernsthaft?! BEIDE?!“
Tanja: Wuuuuusch.
Sarah: Wuuuuusch.
Ich: 😳
Tanja: Wuuuuusch.
Sarah: Wuuuuusch.
Meine Unterwolle: 💨💨💨
Ich: „Ich verlange einen Anwalt.“

Und dann kam der wirklich erstaunliche Teil:
Sie haben mich tatsächlich von beiden Seiten gleichzeitig trocken bekommen.
Effizient?
Ja.
Professionell?
Absolut.
Für mich?
Ein mittelschwerer meteorologischer Zwischenfall.
Meine Seele verliess kurz meinen Körper und ging vermutlich draussen eine Zigarette rauchen.

Aber immerhin: Nach diesem Föhn-Orkan war ich trocken, flauschig, glänzend – und meine Frisur sass besser als bei den meisten Menschen nach drei Stunden beim Coiffeur.
Das werde ich natürlich niemals zugeben.
Und ich dachte: So, das war’s.
Von wegen. Jetzt ging’s erst richtig los.

✂️ Kapitel 5: DAS WERKZEUGARSENAL

Plötzlich sah ich etwas, das mir Gänsehaut bescherte:
DAS GESAMTE SCHEREN-, KAMM- UND BÜRSTENSORTIMENT.
Ich dachte zuerst:
„Ach, ein Kamm.“
Dann: “Ach, eine Bürste.”
Dann kam eine zweite Bürste.
Dann eine dritte.
Dann eine andere.
Dann ein weiterer Kamm.
Dann eine Schere.
Dann eine andere Schere.
Dann noch eine.
Dann eine Bürste, von der ich nicht einmal wusste, dass es solche Bürsten überhaupt gibt.
Dann ein Rasierer.
Dann noch ein Werkzeug.
Und noch eines.
Ich begann zu zählen.
1 … 2 … 3 …
Bei 11 habe ich aufgehört.
Ich wollte schliesslich nicht auch noch mathematisch zusammenbrechen.

Tanja und Sarah bearbeiteten mich gleichzeitig.
Eine links. Eine rechts.
Ich sass dazwischen wie das Opfer eines internationalen Fell-Gipfels.
Links: Kämm.
Rechts: Bürst.
Links: Schneid.
Rechts: Bürst.
Links: Kämm.
Rechts: „Oh, da ist aber noch Unterwolle!“
NOCH UNTERWOLLE?!
Ich hatte inzwischen das Gefühl, ich bestehe hauptsächlich aus Unterwolle.


🧶 Kapitel 6: Der Fellberg

Und dann wurde es wirklich absurd.
Es wurde immer mehr Fell.
Das Fell lag überall.
Auf dem Boden.
Auf dem Tisch.
Neben der Badewanne.
In jeder Ecke.
Unter den Bürsten.
Neben den Scheren.
Und schliesslich entstand neben mir ein Fellhaufen, der aussah, als hätte jemand ein kleines Schaf explodieren lassen.

Ich habe ihn mir angeschaut.
Der Haufen hat mich angeschaut.
Und ich dachte:
„Interessant. Den kenne ich nicht.“
Die Menschen dagegen waren begeistert.
„Schau mal, wie viel Unterwolle!“
„Unglaublich!“
„Das ist ja ein ganzer Berg!“
Ja.
Sehr interessant.
Kann unmöglich meine sein.
Ich habe schliesslich immer noch Fell.

Ich dachte: „Das ist NICHT alles von mir.“
Ganz sicher nicht.
Schliesslich war ich zuletzt am 29. Mai hier.
Und jetzt ist der 7. August.
Das sind gerade einmal …
äh …
ziemlich viele Tage.
Aber SO viele Haare?
Nein.
Unmöglich.
WO SOLL ICH BITTE SO VIEL FELL HERGEHABT HABEN?!

Ich habe einen Verdacht.
Vielleicht hat jemand heimlich einen zweiten Hund in meinem Fell versteckt.
Oder ein Schaf.
Oder einen Teppich.
Ich fordere eine DNA-Analyse dieses Fellhaufens.
Und nein, bei diesen Fotos ist keine KI mit im Spiel.


✨ Kapitel 7: Die überraschende Nebenwirkung

Nach eineinhalb Stunden professioneller Fellbearbeitung passierte etwas Unfassbares:
Ich sah plötzlich schlank aus.
Richtig schlank.
Ich!
Ilvy!
Die flauschige Wand!
Die wandelnde Winterdecke!
Die Hündin mit eingebauter Wärmedämmung!
Ich hatte plötzlich eine Taille.
Ich wusste gar nicht, dass ich eine hatte.
Und mein Fell glänzte.
Ich roch zauberhaft.
Ich fühlte mich leicht.
Fast … federleicht.
Und hier kommt das Problem:
Ich fühlte mich ziemlich gut!
😳
Das darf aber niemand erfahren.
Ich werde weiterhin behaupten:
„Der ganze Termin war eine Zumutung.“


🍖 Kapitel 8: Bestechung auf höchstem Niveau

Während der ganzen Aktion gab es natürlich auch Gudis.
Viele.
Damit ich „brav hinhalte“.
Ich möchte aber klarstellen:
Ich sehe das anders.
Das war keine Bestechung.
Das war Schmerzensgeld.
Für seelische Grausamkeit.
Für Föhnfolter.
Für Bürstenbelästigung.
Für Kammterror.
Für Scherenkontakt.
Und insbesondere für die Tatsache, dass zwei Menschen gleichzeitig an mir herumgearbeitet haben.
Ich habe die Gudis akzeptiert.
Aus Prinzip.
Ich habe lediglich eine angemessene Entschädigung für meine psychischen Belastungen eingefordert.
Und die Menschen haben offenbar verstanden, dass man mit einer intelligenten Geschäftspartnerin wie mir nicht diskutiert.
Gudi her.
Hund still.
Geschäft abgeschlossen. 😂


❤️ Kapitel 9: Und jetzt mal ganz ehrlich …

Tanja und Sarah waren super lieb und unglaublich professionell – und haben sich zu zweit mit viel Herz um mich gekümmert.
Auch wenn ich während der Behandlung natürlich anderer Meinung war. 😏
Sie haben mich zu zweit gebadet, shamponiert, gespült, geföhnt, getrocknet, gekämmt, gebürstet und mit einem halben Werkzeugkasten bearbeitet.
Und das alles mit einer Engelsgeduld.
Während ich ihnen nonverbal ungefähr Folgendes mitgeteilt habe:
„Ich werde euch niemals verzeihen.“
Und gleichzeitig:
„Hat’s noch ein Gudi?“


🐾 Das offizielle Ilvy-Fazit

Ich bin jetzt:
sauber
glänzend
duftend
schlanker
leichter
flauschig
frisch poliert
Und offenbar fehlen mir ungefähr vier kleinere Schafe an Unterwolle.

Aber ich werde weiterhin behaupten:
„Dieser Termin war völlig unnötig.“
Denn schliesslich kann man eine Hündin nicht einfach ihrer Unterwolle berauben und anschliessend erwarten, dass sie das auch noch gut findet.
Wo kommen wir denn da hin?!
Und falls ihr mich fragt, ob ich mich jetzt besser fühle:
Nein.
Überhaupt nicht.
Ich fühle mich lediglich …
räusper

ein kleines bisschen leichter.
Aber das habe ich nie gesagt.
Niemals.
Und schon gar nicht öffentlich auf dieser Website.


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