Ilvy

die kleine Wölfin


Zwei Wochen auf Tour, voller Abenteuer

Mit Womo in Schweiz-Italien-Österreich-Deutschland

Ein fahrendes Häuschen mit Bett, Küche und Fressnapf. Klingt erst mal toll. ABER: Es fährt nicht immer geradeaus. Nein, es eiert manchmal über kurvige Bergstrassen, rauf, runter, links, rechts – mein Bauch und ich, wir waren uns da nicht immer ganz einig. Aber oben, boah, diese Bergluft! Diese Aussicht! Und ich, die Königin der Berge.

Mein absolutes Highlight: Wasser! Seen, Flüsse, Bäche, Tümpel, Pfützen, Brunnen … sofort rein. Das ist mein Element!

Auf Camping- und Stellplätzen war ich bestens unterhalten, da ist ja immer was los. Da laufen ständig Zwei- und Vierbeiner herum – stattlich grosse stolzieren mit hoch erhobenem Kopf breitbeinig vorbei, kleine kurzbeinige trippeln herum, oftmals lauthals und sabbernd. Einige siehst du kaum, weil sie so unscheinbar wie graue Mäuschen herumschleichen. Und dann gibt’s mich, die ultimative Camping-Queen. Wo immer ich auftauche, fliegen mir die Herzen zu – und wenn ich weiterziehe, liegen die Scherben wie Brotkrumen auf meinem Weg. Am liebsten mochte ich die Stellplätze mit anderen Tieren rundherum. Auch die Forellenzucht war amüsant.

Der Zoo war auch super! Ich hab Affen durchs Glas angestarrt – und die mich. Dann hab ich mit einem riesigen Vogel geschnattert. Tiger und Löwen hab ich sicherheitshalber nur aus der Ferne bewundert – man weiss ja nie bei grossen Katzen. Und die Erdmännchen… witzig, flauschig, flink. Und Meister im Buddeln.

In Städten und Dörfern hab ich meine feine Nase eingesetzt: Schnupper-Marathon, jede Ecke beschnüffelt, jede Spur verfolgt, hinter jedes offen stehende Tor geguckt. Auch im Freilichtmuseum. Naja, in die Gebäude durfte ich leider nicht rein (angeblich wegen „Regeln“ – pah!), aber draussen roch es schon nach 1’000 spannenden Geschichten.

Und wenn ich mal richtig Gas geben durfte – auf einem Hundeplatz mit und ohne neue Fellfreunde – hab ich gezeigt, dass meine Beine schneller sind als meine Ohren flattern können. Und dann diese coolen Wasserspiele, ach was hat das Spass gemacht! Neue Kumpels getroffen, alle Muskeln getestet. Ergebnis: Platt wie ’n Teppich.

Nach all dem Toben, Schnuppern, Staunen und Beobachten war abends immer Schluss: Plumps. Augen zu, Träume an. Ich war so müde, dass ich manchmal nicht mal gemerkt habe, wenn jemand „Leckerli“ gesagt hat (Und das heisst was!). Hochgeschnellt bin ich nur, wenn jemand mit einer Fresstüte geraschelt hat. Oder es nach Käse roch. Oder nach Speck. Ansonsten schlief ich wie ein Bär.

Okey, mit einer kleinen Ausnahme von drei, vier Nächten. Da hiess es: „Bauch rumort, Alarmsignal senden (laut winseln und fiepen), Mensch anstarren, Mensch sofort raus aus dem Bett, Mensch und Hund schnell raus aus dem Womo.“ Und das drei-, viermal pro Nacht. Vier Tage lang war ich quasi der Wecker im Womo – nur ohne Snooze-Taste. Aber hey, ich hab meinen Menschen bewiesen, dass sie auch nachts einsatzbereit sind. Und zwar schnell wie Wiesel. Nach einer magischen Spritze einer netten Tierärztin war Schluss mit der Nightshow. Selbstredend, dass ich mir nach dieser Tortur ein Plüschi verdient hatte. Man gönnt sich ja sonst nix.

Nach Ferien wird man ja immer nach dem Wetter gefragt. Das Wetter konnte sich in den zwei Wochen nicht entscheiden und hat Pingpong gespielt. Mal Sauna-Modus, mal Tiefkühltruhe, mal Waschanlage, mal Solarium. Und ich mittendrin – mit Felljacke, die man nicht ausziehen kann! (Ja, schon klar, wenn ich mich brav kämmen liesse, wäre meine Unterwolle Schnee von gestern. Aber ganz ehrlich, das klingt für mich nach Konjunktiv, nicht nach Realität. Wenn ich mich kämmen lassen würde, hätte ich weniger Fell. Wenn Eichhörnchen bodennah fliegen würden, hätte ich sie auch schon gefangen. Ihr merkt’s selbst, oder?) Apropos Eichhörnchen, die hätte ich auf die Baumspitze hoch gejagt, hätten die Spielverderber mich nicht mit der langen Schleppleine ans Womo getüdelt oder die läppische Fliegentür geschlossen. Die vorwitzigen Kerlchen waren sehr gesellig, keck, neugierig, ausdauernd und verfressen. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Aber ich schweife vom Thema ab. Zurück zum Wetter. Einen Tag hab ich nach Schatten gejapst, am nächsten nach einer Wärmflasche. Kaum hatte ich mich daran gewöhnt, im Liegen zu schwitzen, musste ich schon wieder im Stehen zittern. Und dann – bämm – eines Nachts kam das grosse Spektakel: Regen trommelte aufs Womo, Hagel prasselte wie eine Horde tanzender Mäuse aufs Dach, der Donner brüllte und die Blitze erleuchteten den Nachthimmel taghell. Das ganze Häuschen schaukelte und meine Menschen machten grosse Augen. Und ich? Lag entspannt auf meiner Decke und dachte: Ach, ein bisschen Kino-Soundeffekt, was soll’s. Angst? Pff! Ich hab das Unwetter einfach weggedöst. Schliesslich muss ja einer cool bleiben im Rudel.

Die ausgedehnten Spaziergänge in der Natur waren fabelhaft, egal bei welchem Wetter.

Jetzt bin ich wieder zuhause. In meinen Träumen renne ich noch immer über Wiesen und durch Wälder, plantsche in Seen, glotze in die Augen frecher Äffchen, drücke meine Nase in buschige, flauschige Eichhörnchenschwänzchen. Ach, das Leben als Abenteuer-Hündin ist schon ein gutes!


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